Anleitung zur Bewässerung von Straßenbäumen

Anleitung zur Bewässerung von Straßenbäumen

Quelle: Senatsverwaltung Umwelt, Verkehr und Klimaschutz

21.10.2020

Hintergrund

Stürme, starker Regen, Hitze und Trockenheit nehmen zu. Die Folgen sind überall in der Stadt sichtbar, zum Beispiel in Form von abgestorbenen Bäumen und Totholz in den Kronen.

Um die Auswirkungen extremer Hitze und Trockenheit abzumildern, braucht es kurzfristige Maßnahmen, wie zum Beispiel zusätzliche Wässerungen durch die Grünflächenämter. Es ist aber keine Dauerlösung, zunehmend mehr bewässern zu müssen.

Auf lange Sicht ist eine Vorgehensweise nötig, die sich den Veränderungen des Klimas anpasst. So brauchen wir zukünftig Baumarten, die während langanhaltender Hitze und Trockenheit überleben können. Auch in Berlin werden dazu bereits Straßenbaumtests durchgeführt, u.a. im Rahmen der Testreihe des Arbeitskreises Stadtbäume der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK).

Zuständigkeiten

Das Wässern von Bäumen auf öffentlichen Flächen ist Aufgabe der Straßen- und Grünflächenämter. Da sich diese Bäume im Fachvermögen der Bezirke befinden, müssen alle Maßnahmen am Baumbestand mit den Straßen- und Grünflächenämtern abgestimmt werden.

In Berlin gibt es einen Fachausschuss für Stadtbäume, in welchem sich die Mitarbeitenden aus dem Bereich Baumpflege/-pflanzung der Berliner Straßen- und Grünflächenämter regelmäßig fachlich austauschen. Hier wurde in den letzten Jahren viel über die Bedeutung des Klimawandels für das Stadtgrün sowie über die notwendige Bewässerung und den effizienten Einsatz der Ressource Wasser gesprochen.

Seit 2018 stellt das Pflanzenschutzamt, mit Hilfe des Deutschen Wetterdienstes, eine Bewässerungsempfehlung für Stadtbäume bereit. Die „Bodenfeuchteampel“ zeigt am Beispiel der Baumart Winterlinde die Bodenfeuchte bis in eine Tiefe von 85 cm an. Diese Daten werden jede Woche aktualisiert. Die Straßen- und Grünflächenämter können damit leichter entscheiden, ob und wann eine Bewässerung notwendig ist.

Baumfällungen

Laut des Berliner Grünflächeninformationssystems (GRIS) verlieren wir aktuell jährlich 6.000 Straßenbäume in Berlin. Das sind 1.000 Bäume mehr als im Durchschnitt der letzten 20 Jahre. Dabei lässt sich nicht eindeutig sagen, ob das an der erhöhten Hitze und Trockenheit liegt, an Schädlingen, Tausalz oder daran, dass es sehr viele alte Bäume gibt. Vielleicht ist es eine Kombination aus allem.

Die richtige Bewässerung

Um Schäden an den Bäumen zu vermeiden, braucht es auch beim Gießen fachliche Kenntnisse. Die folgenden Punkte sollten unbedingt beachtet werden:

  • Wird zu häufig mit sehr kleinen Wassermengen gegossen, bilden sich die Wurzeln oberflächlich aus und wachsen nicht in die Tiefe. Das müssen sie aber, damit sich der Baum später selbst mit Wasser versorgen kann!
  • Wurzeln dürfen nicht durch einen harten Wasserstrahl freigespült werden!
  • Wird zu viel gegossen, vernässt der Standort. In der Folge leiden die Wurzeln unter Sauerstoff-mangel und sterben ab.
  • ExpertInnen empfehlen für einen Jungbaum zweimal im Monat 75 bis 100 Liter Wasser. In Trockenzeiten entsprechend mehr.
  • Dabei wird von einem Stammumfang von 25 cm ausgegangen. Je nachdem wie groß die Baumscheibe ist, welche Pflanzen dort wachsen und wie der Boden beschaffen ist, kann das von Fall zu Fall stark abweichen und muss immer individuell eingeschätzt werden.

In der Regel sind Altbäume ausreichend mit Wasser versorgt, da sie mit ihrem weitreichenden Wurzelsystem auch auf entferntere Wasserreserven zugreifen können. Mittelalte Bäume sind nur bei sehr großer Hitze und längerer Trockenheit zusätzlich zu wässern. Jungbäume bedürfen während der ersten Jahre am Standort einer regelmäßigen Wässerung, es sei denn, es regnet extrem viel, wie z.B. im Sommer 2017.

Jungbäume müssen im Frühjahr tiefgründig gewässert und eventuell gedüngt werden, um ihnen einen guten Start in das Jahr zu ermöglichen.

Beim Gießen ist auch auf den Ballen des Jungbaumes zu achten, denn Wasser, welches vom Erdballen abläuft, steht dem Baum nicht zur Verfügung.

Fazit: Die Bewässerung ist also ganz individuell auf den jeweiligen Baum abzustimmen. Es gibt keine pauschale Anleitung, denn jeder Baum ist ein individuelles Lebewesen.

Verwendung von Trinkwasser

In der Regel wird für die Bewässerung von Straßenbäumen Trinkwasser verwendet. Trinkwasser ist aber so wertvoll, dass gut überlegt werden muss, wie viel und wo es zum Gießen eingesetzt wird. Die Wässerungen mit Trinkwasser sind auf das Nötigste zu beschränken. „So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“

Bürgerschaftliches Engagement

Das Wässern von Bäumen ist schon länger ein Thema, welches sowohl die politische Ebene, die Medien, als auch die BürgerInnen beschäftigt.

Bürgerschaftliches Engagement kann die Zuständigkeit der Bezirke für das öffentliche Stadtgrün nicht ersetzen. Es kann aber in langen Phasen der Hitze und Trockenheit wie vor allem in den Sommern 2018 und 2019 helfen, einzelne Bäume zu retten. Wichtig ist, sich zu informieren und zu wissen, wie man richtig wässert.