Als Bürger*in den Bäumen helfen oder nicht helfen?

Als Bürger*in den Bäumen helfen oder nicht helfen?

Und wenn ja, wie genau?

Gute Kommunikation ist alles!

Seit längerem rufen verschiedene Medien die Bürger*innen dazu auf, ihre Stadtbäume zu gießen und zu pflegen. Und immer mehr Menschen kommen dem nach und kümmern sich um ihre Stadtbäume. Um richtig zu gießen und um Baumscheiben richtig zu begrünen, braucht es aber Informationen und teilweise sogar Fachwissen. Denn nicht alles ist im Straßenraum erlaubt und so manche Art zu gießen, schadet dem Wurzelwerk der Bäume eher.
So endet wertvolles, ehrenamtliches Engagement oft in großer Enttäuschung und Wut. Es braucht dringend gut aufbereitete und verständliche Informationen für die Bürger*innen, aber auch für die Presse, damit nicht weiterhin unwissend zum Mithelfen aufgerufen und dadurch Engagement im Keim erstickt wird, welches wir in Notsituationen dringend brauchen.

Wir haben Illona aus Berlin-Kreuzkölln getroffen, die uns mit ihrer Geschichte einmal mehr zeigt, wieviel Zeit, Geld und Liebe Menschen in ihre Unterstützung stecken und wie groß der Ärger ist, wenn das Ordnungsamt kommentarlos alles wegreißt.

Illona und ihre beiden Freunde, Stella und Bodo, kümmern sich seit einem Jahr um ihren Hausbaum. Sie lieben Bäume, weil es Zeitzeugen sind, die schon so viel erlebt und gesehen haben und weil man an ihnen die verschiedenen Jahreszeiten ablesen kann. Die Drei leiden mit, wenn Bäume abgeschlagen werden oder vertrocknen.

Auch die Baumscheibe ihres Baumes wollten sie verschönern, denn die heiße, zubetonierte Stadt braucht mehr Grün, mehr Blumen, mehr Natur. Weil aber immer wieder Betrunkene die Blumentöpfe zerstört und Pflanzen geklaut haben, fingen sie an, eine aufwändige Holzumrandung für den Baum zu zimmern. Darin haben sie Bambus gepflanzt und mühevoll ein Hochbeet errichtet.
Nach zwei Wochen dann das Entsetzen: Ein Bagger riss alles ein und zerschredderte die gesamte Konstruktion. Es gab keinerlei Kommunikation dazu. Das Ordnungsamt sei vorher vorbeigefahren, hätte sich das Hochbeet angesehen, aber nichts dazu gesagt. Genau wie Illona hatte auch der Baggerfahrer selbst kein Verständnis dafür, warum er zerstören soll, was Bürger*innen so liebevoll aufgebaut hatten. Aber es war sein Job und er musste seinen Anweisungen folgen.

Darf man denn ein Hochbeet überhaupt anlegen und eine Holzkonstruktion um den Baum zimmern? Nein, darf man in den meisten Fällen nicht bzw. ist es nicht so einfach zu beantworten, denn jedes Straßen- und Grünflächenamt trifft zur Baumscheibenbegrünung ein wenig unterschiedliche Aussagen.
Wichtig ist, sich als Bürger*in vorher zu informieren, was im eigenen Bezirk erlaubt ist und was nicht. Es gibt viele Faktoren, die man beachten muss, damit z.B. keine Gefahr im Straßenraum entsteht, an die man als Bürger*in auf den ersten Blick gar nicht denkt.
Illonas Freundin Stella hatte zwar nicht beim zuständigen Grünflächenamt nachgefragt, aber versucht, sich im Internet zu informieren. Die Informationen, die sie dort gefunden hatte, waren scheinbar nicht ausreichend oder nicht richtig. Hier wäre es wichtig, es den Bürger*innen leichter zu machen, an die richtigen Informationen zu gelangen.

Und auch bei der Bewässerung der Bäume besteht Unwissen und Verwirrung. Soll man denn jetzt mithelfen oder nicht? Einerseits liegt die Aufgabe bei der Verwaltung und diese wurde nun auch mit mehr Mitteln ausgestattet. Andererseits rufen auch weiterhin Zeitungen, Radiosender und auch ein paar der Grünflächenämter selbst zum Bewässern auf. Die Verwaltung bittet darum, nur in Notsituationen Bäume zu wässern. Aber was ist eine Notsituation? Und woher weiß ich, wann ein Aufruf jetzt auch wirklich ein Aufruf ist, bei den vielen unterschiedlichen Aufrufen?

Illona und ihre Freunde gießen seit einem Jahr ihren Baum und den Garten im Hinterhof mit dem Gartenschlauch. Ihre Mitmieter sehen dem Ganzen wohlwollend bis fragend zu. Eine*n Gärtner*in gibt es nicht, obwohl dies bei den Kosten im Mietvertrag erwähnt wird. Finanzielle Unterstützung durch ihre Hausverwaltung haben sie angefragt, bekommen sie aber nicht.

Illona benutzt zum Gießen Trinkwasser und wässert den Baum einmal pro Woche. Das Wässern erfordert ein gewisses Fachwissen, um Schäden an den Bäumen zu vermeiden und dieses Wissen fehlt vielen Bürger*innen.
Wird zum Beispiel zu häufig mit kleinen Wassermengen gegossen, bilden sich die Wurzeln oberflächlich aus, statt in die Tiefe zu wachsen, wo sie sich eigentlich selbstständig mit Wasser versorgen sollten. Auch wenn Bewässerung so einfach klingt, gibt es doch viele Punkte zu beachten.
Genauso müssen wir über die Benutzung von Trinkwasser sprechen. Die Verwaltung und auch verschiedene Umweltverbände bitten darum, die Wässerungen mit Trinkwasser auf das Nötigste zu beschränken, denn Wasser ist ein knappes Gut.

Am Ende geht es uns allen um dieselbe Sache: ein schöneres, grüneres und lebenswerteres Berlin.
Im Idealfall ein Berlin, in dem alle da mithelfen, wo Hilfe dringend gebraucht wird und in dem allen Engagierten das Wissen leicht verständlich zur Verfügung steht, wie sie sinnvoll helfen können und wann wirklich eine Notsituation besteht. Gute Kommunikation und Informationen sind einfach alles und damit ließen sich viele Enttäuschungen und Frust auf allen Seiten ersparen. Kommentarloses Wegschreddern hilft den Stadtbäumen genauso wenig, wie Engagement auf der Basis von Halbwissen.
Am Ende müssen wir uns einfach mehr und respektvoller miteinander austauschen, um gemeinsam unser Ziel zu erreichen. Wir versuchen mit der Lieblingsbaum-Initiative genau da anzusetzen, um mehr Informationsaustausch und Transparenz zu schaffen.